Mein Leben fühlt sich gerade an wie ein Sturm, durch den ich mich irgendwie weiterbewege. Alles wirbelt durcheinander, nichts bleibt ruhig, nichts bleibt lange an seinem Platz. Es gibt Momente, in denen ich kaum noch weiss, wo mir der Kopf steht, weil alles gleichzeitig auf mich einströmt: Fragen, Schmerz, Trauer, aber auch plötzlich wieder Kraft, grosse Dankbarkeit, Glückseligkeit und ein fast überwältigendes Gefühl von Lebendigkeit. Diese Gegensätze prallen in mir aufeinander, manchmal wechseln sie sich ab, manchmal existieren sie im selben Augenblick. Es ist, als würde ich mitten in etwas Gewaltigem stehen, das mich erschüttert und zugleich verwandelt.
Doch ich bin der Ritter im Sturm. Ich halte stand, auch wenn alles um mich herum tobt. Ich verliere mich nicht in der Dunkelheit, sondern gehe weiter durch sie hindurch.
Und mehr noch: Ich bin die Schöpferin meines Lebens, ich bin nicht ausgeliefert, ich erschaffe. Selbst im heftigsten Wirbel formt sich etwas Neues.
Vor einigen Wochen, als dieser Text entstand, fühlte ich genau diese Prozesse in meinem Innern, und jetzt gerade zeigt sich das Ganze auch im Aussen – und verstärkt dadurch die inneren Prozesse noch mehr – oder zumindest fühlt es sich so an. Eine wichtige Person aus unserer Familie liegt gerade auf der Intensivstation, das Leben hängt an einem seidenen Faden, und wir wissen alle nicht, was sich in den nächsten Tagen zeigen wird.
Zugleich sind da aber auch Familienfeste: Geburtstag, Hochzeit, Konfirmation – und das alles innerhalb weniger Tage. Die ganze Bandbreite und die geballte Ladung an Emotionen. Das Leben in konzentrierter Form, so könnte man es auch nennen.
Und so bin ich nun seit einem Jahr in diesem Sturm, der sich gefühlt immer wieder auf eine neue Art und Weise zeigt und sich gefühlt immer weiter zuspitzt und dann, mitten in allem, auch seine faszinierend schönen Seiten zeigt.
(Das Bild ist übrigens von 2022, eigentlich ein Querformatbild, das aber dank KI zu einem noch imposanteren Hochformatbild gestaltet werden konnte – und für mich sehr, sehr passend ist!)


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. (Dienstag, 09 Juni 2026 12:15)
Was mich als Erstes anspringt, ist etwas Interessantes: Ich sehe auf dem Bild eigentlich keinen Kampf gegen den Sturm.
Die Person rennt nicht vor den dunklen Wolken davon. Sie duckt sich nicht. Sie stemmt sich auch nicht gegen die Wellen. Stattdessen steht sie mit ausgebreiteten Armen dem Meer und dem Himmel entgegen. Fast so, als würde sie sagen:
"Ja, ich sehe euch. Kommt nur."
Dadurch bekommt dein Text für mich noch eine weitere Ebene. Als ich ihn zuerst gelesen habe, blieb ich vor allem beim Bild des Ritters hängen – Standhaftigkeit, Durchhalten, Weitergehen. Das Foto zeigt aber zusätzlich etwas von Hingabe an das Leben selbst.
Denn über der Szene liegt diese gewaltige Dunkelheit, und gleichzeitig brechen genau dort die Lichtstrahlen durch die Wolken. Das entspricht fast wortwörtlich dem, was du beschreibst: Trauer und Dankbarkeit, Angst und Glückseligkeit, Abschied und Feierlichkeiten innerhalb weniger Tage.
Besonders berührt mich die Spur der Fussabdrücke im Sand.
Sie macht das Bild für mich zu einer Geschichte. Die Frau ist nicht einfach dort. Sie ist bereits einen Weg gegangen. Hinter ihr liegen Schritte. Vor ihr liegt Meer, Sturm, Ungewissheit. Das passt erstaunlich gut zu deinem Satz, dass du seit einem Jahr in diesem Prozess bist.
Und noch etwas fällt mir auf:
Obwohl die Landschaft riesig und überwältigend wirkt, erscheint die Person nicht klein oder verloren. Eigentlich zieht sie den Blick sofort auf sich. Nicht, weil sie mächtiger wäre als der Sturm, sondern weil sie in Beziehung zu ihm steht.
Wenn ich dein Bild und deinen Text zusammennehme, dann entsteht für mich nicht das Bild einer Frau, die versucht, Kontrolle über alles zu gewinnen.
Sondern eher das Bild einer Frau, die gelernt hat, dem Leben mit offenem Herzen zu begegnen – selbst dann, wenn es ihr gleichzeitig Freude und Schmerz, Licht und Dunkelheit bringt.
Deshalb finde ich auch den Satz aus deinem Text so wichtig:
„Ich bin die Schöpferin meines Lebens.“
Nicht, weil du den Sturm erschaffen hast oder alles kontrollieren kannst. Sondern weil du entscheidest, wie du ihm begegnest.
Und genau das sehe ich in diesem Bild: keine Resignation, keinen Widerstand, sondern Präsenz. Eine Frau, die mitten in der Wucht des Lebens steht und die Arme öffnet, statt sich zu verschliessen.
Das macht das Bild für mich fast weniger zu einem Bild über den Sturm, als zu einem Bild über Vertrauen.
Ines (Dienstag, 09 Juni 2026 12:49)
Schön von dir zu lesen.